Wir brauchen dringend mehr Wohnungen in unserer Stadt, aber die Baukosten sind in den letzten Jahren heftig gestiegen. Deswegen habe ich an einem Antragspaket gearbeitet, nach Beschluss in unserer Fraktion eingereicht und es den Medien vorgestellt. Wir wollen die Bedingungen für den Wohnungsbau verbessern, weil auch die steigenden Mieten gestoppt werden müssen.
Die Baukostensteigerungen sind ein Riesenthema. Für 01.01.2021 als Referenzwert des Baupreisindex Neubau von Wohngebäuden bei 100, ist er im dritten Quartal 2025 bei 134,3. Gerade in den Jahren nach 2020 waren die Preissteigerungen bei Baukosten sehr hoch. 2021, 2022 bei über 10 bis zu 15% und dann 2023 auch noch ca 8,5% bei Wohngebäuden. Jetzt sind mit ca 3,5% weniger gewachsen – aber die hohen Steigerungen der Jahre zuvor wirken natürlich weiter nach. Die wichtigsten Faktoren für die Baukostensteigerungen sind Materialengpässe, steigende Energiekosten, die Baulandpreise und die Finanzierungskosten, aufgrund veränderter Zinspolitik. Weder Zinsen, noch Baulandpreise oder Energiekosten können wir kommunal kurzfristig beeinflussen – bleiben die Standards für Einsparungen bei Arbeit und Material und Verfahrensabläufe.
In den Jahren seit Dieter Reiter unser Oberbürgermeister ist, seit 2014, wurden in München über 80.000 Wohnungen gebaut – das entspricht in etwa dem gesamten Wohnungsbestand von Regensburg.
Bezahlbares Wohnen ist eines der wichtigsten Themen in unserer Stadt. Wir brauchen weiterhin Wohnungsbau – wir brauchen eine kluge Stadtentwicklung in unserer wachsenden Stadt. Natürlich nehmen wir private Entwickler auch in soziale Verpflichtung, aber gleichzeitig fördern wir Wohnungsbau und sind für gute Rahmenbedingungen.
Deswegen haben wir beim Wohnungsbau auch viele Dinge vorangebracht. Im September 2024 hat der Stadtrat die Wohnungsbauinitiative unseres OB Dieter Reiter beschlossen. Es wurden 30 konkrete Maßnahmen aufgegleist, darunter zum Beispiel die Einrichtung einer Taskforce beim Oberbürgermeister, die Priorisierung von Bauleitplanverfahren und Beschleunigung von Abstimmungen in der Stadtverwaltung. Gleichzeitig wurde der Baukasten der Sozialgerechten Bodennutzung (SoBoN) erweitert und bietet der privaten Wohnungswirtschaft Möglichkeiten – wer z.B. die Bindungsdauer für sozial geförderte Wohnungen verlängert, erhält mehr Punkte und kann so eine (für sich) bessere Aufteilung im Mix des Wohnungsbaus erreichen. Außerdem wurde die Möglichkeit geschaffen, den sozialen Infrastrukturkostenbeitrag in Teilbeträgen zu leisten. Zudem wurde der Stellplatzschlüssel flexibilisiert und es gibt mehr Spielraum beim Ausbau von Dachgeschossen in Verbindung mit den Stellplatzvorschriften.
Im Juli 2024 gab es den Impuls unseres Obs für interfraktionelle Arbeitskreise bei den Standards von Baukosten im Wohnungsbau bei unserer städtischen Wohnungsbaugesellschaft Münchner Wohnen, bei den Schulbauten und bei allgemeinen Bauprojekten zu senken, um jeweils über 10% der Kosten einzusparen. Ich durfte im IFAK Wohnungsbau mitarbeiten, und dazu beitragen, dass wir im Juni 2025 im Stadtrat beschließen konnten, wie die 10% erreichen werden sollen: Die Einsparpotentiale werden durch eine Vielzahl von Maßnahmen erreicht, die bei jedem Projekt gesondert betrachtet werden. Dazu gehören zum Beispiel Kostenreduzierungen beim Stellplatznachweis, dem Bau von Tiefgaragen, der Baustoffauswahl (Stichwort Holzbau), dem Energiestandard, der einfachen Bauweise, dem Gebäudetyp E als Baustandard und dem modularen Bauen. Außerdem bieten die Lage, der Städtebau und der Grundstückszuschnitt Einsparpotentiale.
Nun setzen wir weitere Akzente beim Thema Baukosten und Baustandards. Mit drei Stadtratsanträgen wollen wir öffentliche und private Bauvorhaben vergünstigen, erleichtern und beschleunigen. Hamburg – als SPD regiertes Bundesland – konnte mit dem „Hamburger Standard“ einen Maßstab für kostenreduzierten Wohnungsbau entwickeln. Aus unserer Sicht gibt es für München jetzt die Möglichkeit, hier anzuschließen.
Informationen zum Hamburger Standard finden sich hier: https://www.bezahlbarbauen.hamburg/
Über die „Initiative kostenreduziertes Bauen“ hat die Hansestadt einen „Hamburger Standard“ entwickelt. Fachleute, Vertreter*innen aus der Praxis sowie Akteure aus der Bau- und Wohnungsbranche haben einen wesentlichen Maßstab für kostenreduzierten Wohnungsbau gesetzt. Über drei Handlungsfelder sind Einsparpotenziale von bis zu 2.000 Euro brutto pro Quadratmeter Wohnfläche möglich. Diese Erkenntnisse sollen jetzt soweit möglich in München auch Anwendung finden.
Nicht nur die stadteigenen Bauvorhaben, sondern auch die privaten Initiativen sind Ziel unseres Vorstoßes. München kann als Kommune zwar keine gesetzlichen Standards verändern, dafür aber in einigen Bereichen eigene Vorgaben lockern oder anpassen – und Best -Practice-Projekte wie etwa aus dem Wilhelmsburger Rathausviertel in Europas größten Baugebiet in Freiham anstoßen. Auch in den Bereichen Baukonstruktion und Gebäudetechnik lassen sich, wie in Hamburg umgesetzt, durch gezielte Vereinfachungen Einsparpotenziale von bis zu 600 Euro brutto pro m² Wohnfläche realisieren. Durch den Verzicht auf ausgewählte technische und bauliche Elemente – vorangetrieben über in Hamburg entwickelte Arbeitshilfen für eine praxisorientierte Unterstützung ist einiges möglich.
Artikel in der Süddeutschen Zeitung: https://www.sueddeutsche.de/muenchen/muenchen-bauen-kosten-immobilien-billiger-wohnen-miete-li.3333693
Artikel in der Abendzeitung: https://www.abendzeitung-muenchen.de/muenchen/vorbild-hamburg-gibt-es-so-guenstigen-wohnungsbau-in-muenchen-art-1090985
Artikel in der TZ München: https://www.tz.de/muenchen/stadt/geht-wohnungsbau-warum-muenchen-jetzt-den-hamburger-weg-94021023.html
